Alles, was wir je sagen, ist entweder ein "Danke" oder ein "Bitte"!
- NBJ Coaching und Seminare
- vor 3 Tagen
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Marshall Rosenberg:
Jede Kritik, jedes Urteil und jede Forderung ist der tragische Ausdruck eines unerfüllten Bedürfnisses.
Und umgekehrt:
Jede Form von echter Wertschätzung zeigt ein erfülltes Bedürfnis.
Rosenberg beschreibt Wertschätzung genau so: konkret, gefühlt und bedürfnisbezogen.

Ein paar Übersetzungs-Versuche aus dem Alltag:
"Verkleidetete Bitte" nach aussen
„Du bist schon wieder zu spät.“
→ Bitte sieh mein Bedürfnis nach Verlässlichkeit und Wertschätzung. Sag mir: Bin ich als Mensch für dich wertvoll?
(Hier wird übrigens bestätigt: Hinter Verhalten steckt oft das Bedürfnis nach Bedeutung/Zugehörigkeit = zentrale soziale Bedürfnisse laut Deci & Ryan, Selbstbestimmungstheorie.)
„Kannst du nicht EINMAL mitdenken?“
→ Bitte sieh mich, ich bin frustriert und ratlos, ich brauche Entlastung. Kannst du mir sagen, dass du das siehst? Weisst du, wie ich sie bekommen kann? Oder kannst du sie mir geben?
„Das ist unprofessionell!“
→ Ich bin emöprt! Mir ist Ernst genommen werden wichtig: Bitte sag mir, siehst du das, was ich sehe?
(Bewertungen "verdecken" Bedürfnisse weil ein Urteil oder eine Bewertung in die Defensive bringen und von dort aus ist es so schwer, das Bedürfnis dahinter zu hören)
"Unsichtbare Dankbarkeit" nach aussen:
„Gut gemacht.“
→ Danke, dass du das getan/gesagt hast. Das gibt mir Sicherheit.
(Achtung. Entscheidend ist der Unterschied: Bewertung vs. "echte" Wertschätzung.)
„Passt schon.“
→ Danke, dass du dich bedankst für was ich getan habe.Ich bin erleichtert. Ich werde gesehen.
„Du bist echt unkompliziert!“
→ Danke, dein Handeln macht es gerade sehr leicht für mich.
„Endlich!“
→ Danke, ich fühle mich erleichtert. Der Druck ist weg! Und ich war auch sehr besorgt. Bitte, kannst du mir zurückmelden, dass dir das bewusst ist?
"Verkleidetete Bitte" nach innen
„Ich krieg das nicht hin.“
→ Ich fühle mich unsicher. Bitte (an mich selbst), ich brauche Unterstützung und Struktur. Wie kann ich die bekommen?
„Ich bin nicht gut genug.“
→ Ich sehne mich nach Entwicklung und Selbstannahme. Bitte (an mich selbst) erkenne das an.
(Selbstempathie ist ein Kernprozess in der GFK. Rosenberg bezeichnet sie als Grundlage für jede Form von Verbindung.)
"Unsichtbare Dankbarkeit" nach innen
„Das ist doch nichts Besonderes.“
→ Danke, dass ich sehe und erwähne, dass ich selbst gerade etwas beigetragen habe. Das nährt mein Bedürfnis nach Sinn und Selbstwert.
„Andere kriegen das auch hin.“
→ Ich habe meinen Teil geschafft. Ich darf das würdigen. Danke (mir selbst). Und: Ich bin unsicher. Ich möchte lernen, mich zu würdigen und zu lieben. Bitte (an mich selbst): kannst du würdigen und feiern, dass das grosse neue Schritte sind?
„Ich hätte besser sein können.“
→ Danke, ich habe mich exponiert und bin gewachsen. Entwicklung ist mir wichtig und wurde erfüllt. Und: Sicherheit und Akzeptanz sind mir wichtig. Bitte (an mich selbst): kannst du mir bestätigen, dass das ok ist?
Das ist nicht „nur Sprache“ oder "gspürschmi-fühlschmi" :-) !
Neurobiologisch ist der Trick:
Was wir bewusst würdigen/worauf wir fokussieren, verstärken wir.
Zitate/Quellen dazu: Negativitätsbias, „Neurons that fire together wire together“, Embodiment/ZRM (Storch & Krause): Wirkung entsteht erst durch emotionales Erleben, nicht durch reines Denken
Und was Beziehungen, Familien, Arbeitsbeziehungen und Konflikte angeht:
Hinter (fast) jedem Konflikt steckt ein seit Langem ungehörtes "Bitte."
Höre deine Bitten an dich selbst! Erst danach kannst du die der anderen hören.
Hinter vielen stillen oder explosiven Beziehungen steckt ein unausgesprochenes Danke. Bedanke dich öfter bei dir selbst. Und danach kannst du dich bei den anderen bedanken. Ehrliche, ausgesprochene Wertschätzung und Dankbarkeit sind in beruflichen und privaten Beziehungen die Basis fürs Zusammenarbeiten und Zusammenleben!
Zum Schluss
Wo verpackst du gerade ein Bitte als Vorwurf?
Und wo hältst du ein Danke zurück, das Verbindung schaffen kann?
💡 Tipps zur Umsetzung im Alltag
1) Bewertungen von den Fakten trennen (sowohl beim Sprechen als auch beim Zuhören)
2) Sich fragen: Steckt da jetzt ein "Danke" oder ein "Bitte" dahinter? Tendentiell dieses hören (was gemeint ist und nicht, was/wie es gesagt wurde).
3) Das Ziel ist nicht "netter" oder "erzwungen positiv" zu sein, sondern ehrlicher. Ich selbst darf ehrlich sein. Mein Gegenüber darf ehrlich sein.



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