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"Aha, du hast auch Probleme?"

Aktualisiert: vor 12 Stunden


Coaches haben ihr Leben im Griff. Kommunikationstrainer kommunizieren immer vorbildlich. Sie sind perfekt. Oder?


Einer meiner Kunden ist selbst auch als Einzelunternehmer unterwegs. Da ich Unterstützung in seinem Fachgebiet brauchte und die Chemie zwischen uns stimmte, habe ich einen Termin mit ihm vereinbart. Diesmal war er im Lead und ich war die Kundin.

Am Ende der Beratung seufzte ich und gestand ihm, dass ich bei dem Thema echt schnell an mein Limit komme. Er dachte kurz nach und entgegnete dann erleichtert:


"Das tut mir jetzt irgendwie gut, zu sehen, dass du auch Probleme hast."

Diese Aussage ist bei mir hängen geblieben. Ich möchte in diesem Blogbeitrag mit einer Vorstellung aufräumen, welche Kund*innen eventuell von ihren Begleitungspersonen haben oder welche Begleitungspersonen - bewusst oder unbewusst- von sich selbst vermitteln.


Die perfekte Kommunikationstrainerin?

Als ich seit einigen Jahren begeistert mit der Gewaltfreien Kommunikation unterwegs war, schlugen mir mehrere Leute vor, ich soll doch selbst einmal einen Kurs anbieten. Ich habe mir das lange Zeit nicht zugetraut. Zu oft kommunizierte ich selbst noch "falsch", respektive nicht so, wie das die Gewaltfreie Kommunikation empfiehlt. Ich dachte:

"Erst wenn ich es perfekt beherrsche, kann ich es weitergeben"

Würde ich immer noch so denken, wäre ich keine Kommunikationstrainerin und würde wahrscheinlich auch nie eine werden. Es gibt Tage und Situationen, da "versage" ich so grandios, dass ich es nicht fassen kann. Fakt ist: Ich verurteile, ich schimpfe, ich bin eingeschnappt oder "rufe aus". Ich streite und es gibt Kommunikations-Abbrüche in meinem Leben.


Fakt ist auch: Ich habe realisiert, dass Perfektion nicht nötig, nicht menschlich ist. Wann immer viel Persönliches im Spiel ist, reagiere ich, reagiert jede*r so, wie er oder sie programmiert und geprägt ist. Daran kann man sicherlich arbeiten, doch Perfektion ist dabei kein realistisches Ziel. Dass ich solche "Niederlagen" immer wieder erlebe, kommt mir vor wie eine demütigende (im positiven Sinn) Erinnerung: "Nadia, sei geduldig mit dir. Sei geduldig mit den Teilnehmenden oder den Coachees. Es ist nicht einfach". In diesem Sinne bin ich nicht mehr der Meinung, dass eine Trainerin oder ein Trainer sein Thema komplett beherrschen muss, um ein Vorbild zu sein. Ich beobachte, dass meine Teilnehmenden sehr gerne meinen selbst erlebten Geschichten lauschen, sowohl den Flops als auch den Tops. Sie melden mir zurück, dass es ihnen guttut, zu hören, dass "sogar ich" über kommunikative Steine stolpere.



Die Begleitungsperson, welche ihr Leben jederzeit im Griff hat?

Seit 15 Jahren lerne und übe ich, anderen Menschen zuzuhören. Wenn ich in der Rolle des "Coaches" oder der "Empathie Gebenden" bin, kann ich mich ganz auf die Realität meines Gegenübers einlassen und meine Meinung oder Gedanken dazu ausblenden.

Das ist möglicherweise ein Talent, ganz bestimmt aber auch eine Übungssache. Und ich habe viel Übung. Ich kann, mit Abstand und in der Rolle der "Trainerin" oder der "Beraterin", neue Skills vermitteln oder Tipps geben. So kann ich meine Kund*innen oft unterstützen, ihre Anliegen aka Probleme zu klären und zu lösen.

Privat bekleide ich andere Rollen. Da bin ich "Ehefrau", "Mutter", "Tochter", "Schwiegertochter, "Freundin", etc. Ich habe dort auch Anliegen. Es gibt Reizthemen, lästige Muster, Glaubenssätze und Konflikte. Fakt ist: Ich gehe meinem Umfeld manchmal ganz schön auf den Geist. Es gibt Probleme, die versuche ich seit Jahren und Jahrzenten zu lösen und habe es immer noch nicht geschafft. Ich nehme selbst Coachings in Anspruch.


In diesem Sinne: Ja, ich habe auch Probleme! Die Risse gehören zu mir. Jeder Mensch hat Risse. Es macht Sinn und ist professionell, dass eine Begleitungsperson diese Risse nicht die Qualität der Begleitung oder des Trainings beeinträchtigen lässt. Gleichzeitig hoffe ich, dass keine Kundin, kein Coachee und kein Kursteilnehmender denkt, ich - oder sonst jemand- sei perfekt.


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